Winter Challenge (21.02.-25.02.2018)

angeboten und durchgeführt von http://aktywni-365.pl/

Wer möchte nicht gerne Mal eine richtig schöne mehrtägige Wanderung in Schnee und Eiseskälte mit bis zu -16°C machen und dabei zelten? 

 

Richtig - Niemand!   

 

Wir haben es trotzdem getan.

Mittwoch (Anreise+Seilbahn hoch)

Mittags machten wir uns auf den Weg ins polnische Küstrin. Mit einem kurzen Abstecher in den Supermarkt sind wir dann wie geplant gegen 14:00 Uhr bei Janusz, der Anbieter und Guide der Winter Challenge, auf dem Grundstück angekommen. Nach einer herzlichen Begrüßung mit einem Tee zeigte er uns die Ausrüstung und wir durften unsere Sachen in die Gepäckschlitten umpacken. Diese waren wirklich riesig! Ich war vom ersten Moment an begeistert. Es sollte sich an den folgenden Tagen noch zeigen wie praktisch und spaßig dieses tatsächlich sein würden.

Nachdem wir gepackt hatten, luden wir bereits auch schon alle Schlitten in seinen Transporter ein. Wir verließen das Grundstück und machten uns auf die etwa vierstündige Autofahrt nach Swieradow (Bad Flinsberg) im Isergebirge.

Nach ein paar Zwischenstopps kamen wir endlich gegen 19:30 Uhr an der Kabinenbahn Ski&Sun an, wo uns die restlichen zwei Mitglieder unserer Truppe erwarteten. Hier spürten wir zum ersten Mal die Kälte welche bei etwa -8°C wie ein Messer durch unsere Kleidung schnitt. Die ersten Erfrierungsgedanken waren unvermeidbar und omnipräsent 😉. Nach dem Ausladen und dem Parken der Autos beluden wir die Kabinen der Kabelbahn mit unseren Schlitten und machten uns in der Dunkelheit auf den gemütlichen Weg den Berg hinauf. Oben angekommen liefen wir direkt los um uns einen Schlafplatz außerhalb der touristischen Skistrecken zu suchen

Gegen 21:30 Uhr fanden wir dann auch einen geeigneten Platz und begannen im Stockdunkeln nur mit unseren Stirnlampen leuchtend die Ebene für unsere Zelte frei zu schaufeln. Nach sehr spaßigen anderthalb Stunden im Schnee graben waren wir auch endlich soweit um uns in die sehr kuscheligen Schlafsäcke zu begeben. Das Abendessen fiel aus, da wir alle keine Lust mehr hatten bei dem Schnee und Wind noch draußen zu sitzen und uns etwa zuzubereiten. Hier bevorzugten wir die schnelle Mahlzeit aus selbstgemachten Keksen und anderen fertigen Snacks.

Donnerstag (15,5km / 7h / 3h40 ohne Pausen)

Die erste Nacht überstanden wir sehr gut, niemandem war etwas erfroren und wir schliefen so gut wie es nun mal in einem Zelt geht. Leider hatten sich die Witterungsbedingungen nicht verbessert, nein es wurde sogar über Nacht noch kälter, nun waren wir bei ca. -10°C angelangt. Keinen Gedanken an das Frühstück verschenkend, brachen wir unser Camp so schnell wie möglich ab, um in Bewegung zu kommen und somit genug Wärme zu erzeugen um dem Erfrierungstod zu entgehen. Nachdem wir aus der Wetterseite des Berges raus und von dichterem Wald umgeben waren, wurde es langsam auch angenehmer bei diesen Temperaturen draußen zu sein und man träumte nicht mehr unentwegt von einer heißen Badewanne.

Panoramabild Aussichtsturm 360° [Klick Klick!]
Panoramabild Aussichtsturm 360° [Klick Klick!]

Gegen 11:00 Uhr erreichten wir einen alten Aussichtsturm (phänomenale Aussicht!). Laut dortigem Thermometer hatten wir mittlerweile -12°C, im windstillen Turmes genossen wir dann ein spätes Frühstück und einen heißen Tee und freuten uns über die angenehmen -6°C des Inneren. Unglaublich wie warm sich -6°C anfühlen können, bevor wir den Blick auf das Thermometer im Inneren geworfen hatten, waren wir uns totsicher es seien Plusgrade darin.

Eines der absoluten Highlights an diesem und den kommenden Tagen war die Belohnung nach dem ersteigen der Höhenmeter im Isergebirge. Da wir praktisch aus jedem Abstieg eine Abfahrt mit den Gepäckschlitten machten!

Das wirklich beste Erlebnis und definitiv unschlagbare Ereignis auf dieser Tour. Die vielen kurzen und langen und steilen und flachen Abfahrten mit den Gepäckschlitten sind etwas auf das man sich richtig freuen kann!

Unser Rekord sind um die 50km/h gewesen 😉 mit GPS gemessen.Nach einer dieser rasanten Abfahrten, stiegen wir den nächsten Berg wieder auf. Dort waren Felsformationen die uns zum einen eine weitere wunderschöne Winterlandschaft Aussicht und zum anderen einen Campplatz für die Nacht inklusive einer windstillen Küchennische boten.

Kleiner Tipp: wenn man gerne buddelt und die Schneetiefe es zulässt, kann man im Vorzelt so viel graben das man eine gute Steh- und/oder Sitzhöhe erreicht. Dies erleichtert das be-/entkleiden sowie das Aus-&anziehen der Schuhe.

Freitag (11,5km / 5h / 2h17 ohne Pausen)

Die Nacht war wieder so kalt das sich unser Atem an der Zeltinnenseite als Raureif absetze. Nichtsdestotrotz waren wir in den Schlafsäcken von Janusz sehr gut und warm aufgehoben. Auch heute ließen wir das Frühstück ausfallen und bauten lieber schnell unser Camp ab um in Bewegung zu kommen. An diesem Tag sollte ein weiteres Highlight der Tour erreicht werden, beziehungsweiße sogar zwei! Erstens das Mittagessen in Jizerka in einem schönen warmen Restaurant und zum zweiten die Übernachtung inklusive Sauna in der Herberge Orle. Das Essen im Restaurant war sehr lecker und das dazu bestellte Bier umso besser als Abwechslung zum sonst eiskalten Wasser und dem zu heißen Tee. 

Am frühen Nachmittag erreichten wir die Herberge Orle und mussten dann feststellen, dass Janusz zwar hervorragende Kontakte hat, es aber nichts bringt wenn diese noch nicht im Hause sind. So vertrieben wir uns draußen mit den Gepäckschlitten bei einer kurzen aber sehr schön vereisten Abfahrt die Zeit. In der Herberge haben wir uns dann erstmal bei Bier und Speis aufgewärmt und sind dann rüber in unsere Unterkunft, welche sich in einem Nebengebäude befand. Dort hatten wir sogar genug Platz um die Gepäckschlitten mit rein zu nehmen, wodurch wir endlich mal unsere Sachen komplett auftauen und trocknen konnten. Nachdem wir uns alle eine Dusche gegönnt hatten sind wir dann in die Sauna…anfangs waren wir noch allein, beim dritten Durchgang waren es bereits 22 Menschen, was uns dann doch etwas zu voll wurde und wir beschlossen es bei drei Durchgängen zu belassen. Das eiskalte Bachwasser zum Abkühlen war sehr erholsam und es ist schon ein einzigartiges Erlebnis barfuß Nachts im Dunkeln nur mit der Badehose bekleidet mehrere dutzend Meter zur Unterkunft zu sprinten.

Samstag (10,5km / 3h15 / 2h20 ohne Pausen)

Erstaunlicherweise ging es den meisten aus unserer Truppe gleich: die Nacht in den Zelten war bequemer als in den Herbergsbetten. Trotzdem war es ein angenehmer Schlaf gewesen da man mal ohne Mütze und ohne gefrorenen Atem ruhen konnte.

Aus gesundheitlichen Gründen (einer mit Fußwunde und einer erkältet) beschlossen wir für diesen Tag nicht die große geplante Runde sondern eine etwas kürzere zum Tagesziel zu wandern. Trotzdem mussten wir auf schöne Abfahrten mit dem Schlitten nicht verzichten. Und nach ein paar Stunden gelangten wir bereits zu dem Waldstück in der Nähe der abgelegenen Gaststätte in dem wir campen wollten. Nach dem Aufwärmen und dem Abendessen am Kamin errichteten wir unsere Zelte in einem windstillen Teil des Waldes. Den Abend ließen wir dann gemütlich in der Gaststätte ausklingen. Die kommende Nacht sollte mit -16°C unsere bisher kälteste Nacht werden.

Sonntag (8,6km / 1h40 / 1h13 ohne Pausen)

Wie jedem morgen verließen wir gegen 8:00 Uhr unsere Zelte und bauten das Camp ab, bis 10:00 Uhr genossen wir die Wärme und das Frühstück der Gaststätte. Und dann ging es schon auf die letzte Wanderung zurück nach Swieradow (Bad Flinsberg).

Etwas wehmütig stapfen wir die Berge hinauf, um dann voller kindlicher Freude eben diese wieder auf der anderen Seite runterzurutschen. Nach zwei Rutschfahrten war dann unser Trip auch gänzlich vorbei. Im Tal angelangen erfreuten wir uns der warmen Schnee- und eisfreien Temperaturen. Janusz  holte den Transporter und fuhr uns zum Grand Final zum Forellenhof. Die Forelle war als ungeübter zwar sehr umständlich zu essen, aber umso leckerer. Gegen 15:00 Uhr fuhren wir gen Heimat.